Sommerregen

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ER

… die letzten Regentropfen laufen in dünnen Rinnsalen das Autofenster herab. Ich drücke die Marlboro im Aschenbecher aus, spüre dabei wie sich ihre Hand rasch an der Innenseite meines Beines hoch zum Schritt bewegt.
„Krankheiten?“
Die Luft im Auto ist stickig, jeder Versuch eines noch zu flachen Atemzuges schmerzt in der Lunge.
“ Nein“, presse ich leise hinaus.
Ihre Hand umschließt mit festem Griff meinen Schwanz.
„Dann entspann dich ganz einfach.“
„Entspannen?“ Ich verziehe leicht mein Gesicht; du dämliche …
Sie lächelt mich bloß sanft an.
Sie hat in diesen Moment etwas von einer Hindukuh; ich muss über den Gedanken unmerklich lachen – so eine widerliche Art von Gelassenheit.
Ich seufze einfach, lehne mich dann in den Cordsitz zurück. Sie beugt den Kopf über meine aufgeknöpfte Jeans. Ihre Mundfotze umschließt meinen Schwanz. Ich schaue aus dem Fenster hinaus in die Abenddämmerung:
Die schwarze Wolkendecke ist aufgerissen und die letzten Sonnenstacheln haben sich durch die Baumkronen gebohrt. Meine Finger berühren das beschlagene Fensterglas, gleiten zu ihrem Kopf herab. Langsam wandert ihre Zunge die gesamte Länge meines Schwanzes entlang, dann lutscht und saugt sie an meiner Eichel. Ich fahre mit meiner Hand durch das schlecht rot gefärbte Haar. Ihre Bewegungen werden schneller. Sweet dreams (are made of this) dröhnt blechern aus den Boxen. Ich taste zum Autoradio, drehe die Musik lauter.
– Some of them want to use you. Some of them want to get used by you. Some of them want to abuse you. Some of them want to be abused.
Sie hält abrupt inne. Ich drehe mich vom Fenster zu ihr um:
Dünne Speichelfäden laufen ihre Mundwinkel herab. Die Augen, zu dünnen Schlitzen verformt, starren auf meinen völlig erschlafften Schwanz. Ein unangenehm lautes Lachen bricht aus ihrem Mund hervor und bohrt sich in mein Gesicht. Ich greife mit einer schnellen Bewegung in ihre Haare, reiße ein dünnes Büschel heraus. Der Kopf schnellt nach oben. Das Lachen erstirbt jäh und ihre Lippen deformieren sich zu einen stummen Schrei. Dünne Rinnsale aus Blut laufen ihr die Stirn herab. Ich treibe mit aller Kraft meine Faust in ihr Gesicht. Sie fällt nach hinten an das Autofenster, verschmiert das Glas mit ihrem Blut. Ich beuge mich über sie, reiße ihr die Jeans, samt ihren Slip herunter. Sie schreit, bevor ich die Hände zu fassen bekomme, vergräbt sie ihre Fingernägel tief in mein Fleisch. Ich bohre meinen Ellbogen in ihr Gesicht. Sie sackt in sich zusammen, beginnt leise zu schluchzen.
„Nein, bitte nicht. Bitte…“
Ich reiße ihre Beine auseinander, dringe hart in sie ein …

ZWISCHENSPIEL

… ein sternklarer Nachthimmel überspannt die Stadt. Ein kleines Mädchen sitzt im weißen Nachthemd auf einen Dach hoch über den immer noch hektisch bevölkerten Straßen. Ihr Gesicht ist verweint. Nur schwache Fetzen von Lärm dringen zu ihr hinauf. Sie schaut traurig durch eine zerkratzte Glasscherbe und zählt die Sterne.
– 1. Phobos
2. Kallisto
3. Pan
4. Janus
5. Rhea
6. 951Gaspra
7. Minas
8. Oberon
9. Larissa
10. Miranda
11. 1986U10 …

SIE

… die Nacht zieht vorbei. Ich suche in der Türablage und im Handschuhfach nach meinen Zigaretten, kann sie aber nirgends finden. Ich bin seltsam aufgekratzt und fahrig in meinen Gedanken. Ein Schlaglicht ist für einen kurzen Moment auf diese Fetzen aus Erinnerungen und Fiktionen gerichtet um dann wieder ihre harschen Konturen an die Dunkelheit zu verlieren. Ich trommle mit den Fingerkuppen auf das Lenkrad und die Songs aus dem Radio singe ich gellend mit. Das getrocknete Blut spannt unangenehm auf meiner Haut. Ich schaue verstohlen in den Rückspiegel. Mein linkes Auge ist zugeschwollen und von Blut unterlaufen. Das Gesicht, verschmiert und aufgedunsen, wird beständig von einem pochenden Schmerz durchzogen. Er sitzt nur stumm neben mir und starrt regungslos nach draußen in die Dunkelheit.
Kurz vor der Stadt stoppe ich an einer Tankstelle, die einzig aus zwei rostigen Zapfsäulen und einem kleinen Verschlag besteht. Beim Aussteigen schneidet mir der Wind in das Gesicht. Die Luft ist mit dem angenehmen Geruch des Benzins durchdrungen, Blätter ertrinken in Regenpfützen. Das Blechdach ist undicht; Regentropfen schlagen auf den Boden auf und hinterlassen kleine Krater im Sand. Nach ein paar unsicheren Schritten schaue ich an meinem Körper hinab und schließe für nur einen kurzen Moment die Augen. Ich spüre diesen pulsierenden Schmerz zwischen meinen Beinen und das warme Sperma wie es meinem Unterschenkel herab rinnt.
„Warum hat er nicht einfach das Sperma in mein Gesicht gerotzt?“ Ich genieße für einen kurzen Atemzug dieses Zerrbild in meinen Kopf, stöhne dabei leise auf und beiße mir tief in das Fleisch der Lippen.
Jäh zerschneidet ein Geräusch die Luft. Ich öffne die Augen, schaue mich hastig um. Der Tankwart hockt in seinem Verschlag und liest. Sein Gesicht ist ganz hinter einer aufgeschlagenen Zeitung verborgen. Ich beachte ihn nicht weiter, ziehe den Plastik-Schonbezug vom Fahrersitz ab und werfe ihn in den Mülleimer.
„Wollen sie tanken …“ Eine kleine Pause entsteht indem der Tankwart die Zeitung bei Seite legt und sich von seinen Stuhl erhebt. Dann beugt er sich nach vorn an das Fenster um mich zu mustern.
“ … oder irgend etwas anderes?“ Plötzlich ist da etwas sehr Abfälliges in seiner Stimme.
Ich drehe mich herüber zu dem alten Mann, der mich angiert und seine gelben Zähne beleckt.
„Nein, danke“, antworte ich und formuliere dabei jedes der beiden Worte besonders scharf.
Sein fetter Glatzkopf verschwindet wieder hinter seiner Zeitung. Ich nehme den Wassereimer und Lappen in die Hand, wische ein paar mal über die Innenseite des Fensters.
Die Straßen der Stadt sind leer und der Mond scheint trübe herab. Das Radio spielt Miles Davis. Ich halte vor einer Bar, lasse den Motor laufen. Buntes Neonlicht spiegelt sich auf der nassen Straße wider und laute Musik dringt nach draußen. Ein paar Betrunkene stehen vor dem Eingang zusammen.
Er dreht sich vom Autofenster zu mir um. Sein schwarzes Haar ist ihm in das Gesicht gefallen, verdeckt ganz seine Augen.
„Sind wir nicht alle Opfer?“ Er zieht eine verächtliche Grimasse, öffnet dann mit einer Hand die Autotür und streicht sich mit der Anderen ganz beiläufig die Haarstränen aus dem Gesicht.
Ich muss lachen.
„Ich verstehe nicht..!“ Er wirkt irritiert.
„Hast du jemals versucht, die Sterne an einen klaren Nachthimmel zu zählen?“
Es hat wieder begonnen zu regnen und im Radio spielen sie Lou Reed.
Just a perfect day …

„…Ich töte mich jedes Mal aufs Neue, doch bin ich unsterblich, und ich erstehe wieder auf, in einer Vision der Untergangs…“

Sopor Aeternus