Die Muschel

0
2422

Ursula zog halb frustiert, halb lustlos ihre Hand zurück. „Na, Du warst ja wohl wieder mal anständig unanständig, wie?“ Sie drehte sich auf die andere Seite und starrte die Wand an.

In der Tat, viel tat sich nicht. Er wurde zwar steif, erreichte auch eine akzeptable Größe, doch irgendwie ging’s dann nicht weiter. Ausserdem war Ingo absolut nicht in der Stimmung, ein ausgiebiges Liebesspiel zu beginnen, sehr zum Leidwesen seiner Freundin.

Das wäre ja im Einzelfall nicht so tragisch gewesen, denn das kommt schliesslich immer wieder mal vor. Doch Ingo mußte zugeben, es häufte sich in den letzten Monaten. Nicht dass seine Empfindungen zu seiner Freundin sich gewandelt hätten — daran lag es nicht.

Vielleicht hatte Ursula doch recht; sein privates ‚Hobby‘ war wohl tatsächlich die Begründung. Andererseits gab ihm dieses eine derartige Befriedigung, daß er sich nicht vorstellen konnte, davon abzulassen.

An und für sich hatte Ursula — nach einer gewissen Anfangsbefremdung — nichts gegen seinen Hang zur Travestie einzuwenden. Im Gegenteil wusste sie auch die Vorteile zu schätzen, sorgte doch der gelegentliche Rollentausch (mit allen Konsequenzen, versteht sich) auch dafür, dass ihre Hausarbeit sich gelegentlich verringerte. So hatte sie ihm auch des öfteren geholfen, Kleidungsstücke zu besorgen. Denn irgendwie kam sich Ingo doch komisch vor, allein als Mann in einem Kaufhaus an den Kleiderständern ‚rumzuwühlen …

Da in den letzten Monaten der Stress des Studiums ein wenig nachgelassen hatte, hatte Ingo sich diesem Hobby allerdings recht häufig zugewandt. Da es letztendlich fast immer mit einer gewissen Entspannung verbunden war, fehlte ihm nun des öfteren die Lust auf diese Entspannung in Verbindung mit seiner Freundin. Und dieses fand Ursula nun gar nicht mehr so toll, so dass sie der Sache zunehmend skeptisch gegenüberstand.

Nachdem Ursula während des ganzen folgenden Tages mit einer sauren Miene durch die Gegend gelaufen war, hatte sich ihre Laune unversehends gebessert, als Ingo von seinem Abendsport nach Hause kam. Er konnte es sich zwar nicht erklären, doch fragte er auch nicht nach — man soll ja schliesslich keinen kalten Kaffee aufwärmen.

Am nächsten Morgen, einem Samstag, sollte er dann erste Hinweise auf die Gründe ihrer besseren Laune erfahren. „Beeile Dich bitte“, trieb sie ihn bereits beim Frühstueck an, „ich habe für heute einen Termin für uns beide gemacht, den ich auf jeden Fall einhalten möchte“. Um was für einen Termin es sich dabei handelte, verriet sie ihm nicht, obwohl sein Gesicht ein einziges Fragezeichen war.

So fuhren sie eine Stunde später in eine Nachbarstadt — zu einem Goldschmied. „Oha,“ dachte Ingo, „jetzt will sie sich bestimmt was Schönes als Versöhnungsgabe aussuchen! Warum sonst hat sie mich nach hier mitgeschleppt?!“ Er war erleichtert, dass die Sache so glimpflich ausgehen sollte, denn ihm tat ihr Frust wirklich leid.

Doch er hatte weit gefehlt! Im Geschäft fragte Ursula nach einem bestimmten Herrn, der ihnen kurz darauf zur Verfügung stand. Er musterte Ingo von oben bis unten und geleitete sie in ein Hinterzimmer.

„So, mein Lieber, jetzt ziehe Dir bitte deine Hosen aus!“ flötete seine bessere Hälfte in Spe mit einem so bestimmenden Unterton, daß er lieber nachgab und ihr Folge leistete. Die Peinlichkeit der Situation konnte man wohl deutlich an der Größe des zutagetretenden Objekts ablesen: man musste es geradezu suchen. Doch die Peinlichkeit wurde noch vergrößert. Der nette Herr befühlte die gesamte Region und nahm einige Maße, deren Sinn Ingo nicht einzuordnen wußte. Ihn überfiel eine gewisse Vorahnung, die er in diesem Kreise allerdings nicht zu diskutieren wünschte. Ursula gab ihm auch im weiteren keine Gelegenheit dazu, da sie auch im folgenden alle Fragen schlichtweg überging. Ohne weitere Äußerungen zu diesem Thema setzten sie nach Verlassen des Ladens den gemeinsamen Wochenendeinkauf fort.

In der folgenden Woche tat sich zwar nichts zwischen Ursula und Ingo (aus bekannten Gründen), doch schien sie das nicht im Geringsten zu stören; im Gegenteil, sie lächelte einmal geradezu vergnügt, während ihre Hand auf seinem recht schlappen Etwas ruhte.

Dieses Verhalten führte Ingo zu einer vagen Vorahnung dessen, was da kommen sollte — und richtig, eine Woche später kam Ursula mit einem kleinen Päckchen in die Wohnung gerauscht, über beide Ohren lächelnd. Sie öffnete es zunächst nicht und war sehr um ihren Freund bemüht.

Sie spielten ein wenig Herrin und Sklave — ein Spiel, dass seine Wirkung nur selten verfehlte. Sie fesselte Ingo an’s Bett und brachte sich und ihn mit Geschick zum Orgasmus, ohne daß er etwas dazu beitragen konnte. Doch im Gegensatz zu sonst löste sie nach Erreichen des Höhepunktes nicht seine Fesseln, sondern holte ihr wohlbehütetes Päckchen hervor.

Ingos Vorahnungen wurden bestätigt: das Päckchen enthielt eine Art Keuschheitsgürtel — jedoch nicht so einen, wie er häufig abgebildet ist.

Ursula hatte sich etwas besonderes einfallen lassen: Das fein gearbeitete Teil aus solidem Edelstahl hatte eher die Form einer Muschel. Ein recht enger Kragen legte sich um Peniswurzel und Hoden so eng, dass (wie sich im weiteren herausstellte) er nicht mehr über das Glied abgestreift werden konnte. In zwei seitlich angeordneten, ballonförmigen Ausbuchtungen fanden die Hoden Platz. Sie wurden von einem metallenen, körpergerecht geformten Deckel mit Scharnier im Schritt abgedeckt, der nur ein halbmondförmige Aussparung für das Glied freiließ. Dieses konnte sich nach der vorangegangenen Betriebsamkeit nicht wehren und wurde auf diesen Deckel gelegt. Zum Abschluß klappte Ursula einen weiteren, nicht so grossen Deckel über den Penis, so daß dieser in einer Art schmaler Röhre lag, die dicht auf der ersten Abdeckung anlag und an ihrem unteren Ende einige Löcher besaß. Das Ganze wurde an der Peniswurzel durch ein kleines Schloss so verriegelt, dass kein Abstreifen des Teils mehr möglich war. Erst nachdem sie den Schlüssel versteckt hatte, befreite Ursula Ingo schiesslich aus seiner Fesselung.

Ingo betrachtete skeptisch sein neues Kleidungsstueck. Der Schmied hatte gute (Pass-)Arbeit geleistet: seine Genitalien waren unerreichbar, sofern er sich nicht mit brutaler Gewalt und einer recht grossen Verletzungsgefahr befreien wollte. Durch die geringe Größe der Penisröhre trug das Ganze nicht auf, wie Ursula nach seinem Ankleiden befriedigt feststellte. Eine Erektion war allerdings durch die geringe Größe schon im Ansatz wirkungsvoll unterbunden. Auch dieses schien sie mit sicherem Blick zu erraten und genoß diese Tatsache sichtlich.

Ingo mußte ihr zustimmen, dass der Schmied sein Werk meisterlich vollbracht hatte. Der Kragen um die Peniswurzel war zwar eng, erzeugte aber keine gesundheitlichen Probleme oder Druckstellen, wie sich in der Folgezeit herausstellen sollte. Das Urinieren im Stehen war zwar nun passee, doch sollte dies nach Ursulas Ansicht für Ingo als Möchtegern-Frau wohl keine Einschränkung sein; nun durfte er halt auch auf der Toilette ‚Frau‘ spielen.

Ursula verliess ihn an diesem Tag mit einem triumphierenden Lächeln und der Ankündigung, in den nächsten Tagen soviel beruflich zu tun zu haben, daß sie wohl nicht dazu käme, bei ihm vorbeizuschauen. Wenn er Probleme haben sollte, könne er sich ja bei ihr zu Hause melden.

In den folgenden Tagen gewöhnte sich Ingo zwangsweise zunehmends an das merkwürdige Ding zwischen seinen Beinen. Es störte ihn zwar anfangs ein wenig beim Gehen und beim Sitzen mit überkreuzten Beinen, doch nachdem er sich eine andere Sitzhaltung angewöhnt hatte, ließ sich die Muschel ohne Probleme (er-)tragen. Einzig das Urinieren hat nun einen Haken: da der Urin nur durch die wenigen Löcher aus der Muschel laufen konnte, war die Verwendung von Monatshöschen und Slipeinlagen dringend notwendig, sofern Ingo nicht nach kurzer Zeit mit feuchten Hosen herumlaufen wollte!

Zwei Tage nach Anlegen der Muschel hatte er wieder einmal Zeit, seinem ‚Hobby‘ zu frönen. Doch siehe da, die nun verwehrte Möglichkeit, sich am Ende der Verwandlung ‚Luft zu verschaffen‘ erzeugte ein ihm vollkommen neues Gefühl sexueller Frustation. Prompt rief er bei Ursula an, ob sie ihm die Muschel nicht wieder abnehmen wolle; er hätte seine Lektion jetzt wohl gelernt.

„Darauf wirst Du wohl noch etwas warten müßen,“ flötete sie durch’s Telefon. „Ich muss zu einer Konferenz ins Ausland und habe daher diese Woche keine Zeit mehr für Dich! Du kannst Dich ja anderweitig beschäftigen. Viel Spass noch…“

Ingo fühlte sich ziemlich hilflos. Doch was blieb ihm anderes über, als sich in sein Schicksal zu fügen? Pünktlich am nächsten Wochenende war Ursula wieder im Lande. Ingo empfing sie mit einer liebevollen Ergebenheit, die sie augenscheinlich sehr genoß, wagte aber nicht, das brennende Thema selber auf’s Tablett zu bringen. Nach dem üblichen Einkaufen, während dem er sich wohl auch äußerst zuvorkommend verhalten hatte, erbarmte sich seine Freundin endlich.

Ursula ließ sich jedoch lange und ausgiebig von Ingo verwöhnen, um ein wenig die entgangenen Freuden der letzten Monate nachzuholen. Erst nach dem zweiten Orgasmus wandte sie sich Ingo zu. Seine Spannung hierbei war kaum zu beschreiben; dies spürte auch Ursula und empfand es als noch weiter anregend, Ingo kurzerhand an sein Bett zu fesseln, so daß er nicht sehen konnte, woher sie den Schlüßel zur Muschel nahm. Sie entfernte sie, beließ ihn allerdings gefesselt. Das folgende Liebesspiel erreichte bereits nach kurzer Zeit die bei beiden gewünschte Wirkung: Sie genossen einen wunderbaren gemeinsamen Höhepunkt. Ursula ließ sich jedoch auch hierdurch nicht erweichen. Nachdem sie Ingo kurz und intensiv (seeehr intensiv!) den so lange verschlossenen Bereich gewaschen hatte, legte sie ihm erneut die Muschel an und versteckte den Schlüßel, bevor sie seine Fesseln löste.

„Tja, mein Lieber, so werden wir’s demnächst immer machen. Du wirst ab jetzt keine Gelegenheit mehr bekommen, Deine Genitalien zu berühren. So kommst Du auch nicht auf dumme Gedanken. Und wann Du befriedigt wirst, entscheide ab jetzt ausschließlich ICH!“ Liebevoll strich sie ihm über die Beine und tastete die Muschel ab.

Seit dieser Zeit sind nun vier Monate vergangen. Ingo hat sich inzwischen an das Tragen der Muschel gewöhnt und bemerkt sie in der Regel kaum noch. Nur ab und an überkommt es ihn doch, selbst Hand an sich legen zu wollen. Doch bisher hat die Muschel allen solchen Versuchen widerstanden. Daher genießt er die leider recht seltenen Gelegenheiten, die ihm Ursula vergönnt, um so mehr — auch wenn er dabei im entscheidenden Moment nur Objekt ihrer Lust sein kann.

Ingo mußte in der Tat zugeben, daß seine Gefühle Ursula gegenüber durch die Muschel intensiver geworden waren. Und ist er ihr gegenüber bisweilen nicht aufmerksam genug, kann es auch passieren, daß sie ihn nach ihrer eigenen Befriedigung grausamerweise nicht erlöst. Spätestens beim nächsten Mal ist dann die Aufmerksamkeit wieder größer.

Seinem ‚Hobby‘ geht Ingo natürlich immer noch nach, doch hat dies nun für die Beziehung zu Ursula keinerlei Auswirkungen mehr. Die Möglichkeit, die Rückverwandlung durch einen Orgasmus zu krönen, ist ihm frustrierenderweise nun gänzlich verwehrt. Durch diese Einschränkung scheint Ursula jedoch geradezu Gefallen an seinen Verwandlungen zu bekommen, hilft er ihr doch als Frau eifriger bei ihrer täglichen Arbeit, als er es als Ingo je tat.

In etwa acht Wochen wird Ingo für zwei Tage vollkommen frei sein, wie Ursula ihm versprochen hat. Dies wird ihr Geschenk zum zweiten Jahrestag ihres ersten ‚Kennenlernens‘ sein. Danach, daran ließ Ursula keinen Zweifel, wird die Muschel jedoch wieder für ein weiteres Jahr sein Geschlechtsleben bestimmen …